Philipp, mit Jurato seid ihr einer der Pioniere in der deutschen Legal Startup Szene. Wie kam es dazu, dass du im September 2013 mit deinen Co-Foundern Jurato gegründet hast?

Rechtsanwalt Dr. Philipp Venohr und ich haben den Markt für Rechtsberatungen analysiert und schnell gemerkt, dass dieser weitestgehend intransparent ist. Zum einen ist es für Mandanten schwierig, den passenden Rechtsanwalt für einen speziellen Fall zu beauftragen, zum anderen sind die entstehenden Kosten ungewiss.

Du sagst, der Markt war damals intransparent. Was sind aus deiner Sicht die Gründe dafür und wie versucht Jurato ganz konkret, mehr Transparenz bei der Auswahl eines Anwalts zu schaffen?

Ein Grund dafür könnte sein, dass der Rechtsmarkt bisher wenig digitalisiert wurde, da viele Rechtsanwälte Ihre Berufung doch eher konservativ sehen und das Internet noch scheuen.

 

Bei uns erhalten Mandanten auf ihre geschilderten Rechtsprobleme Beratungsangebote von Anwälten, die in Ruhe verglichen und letztlich ausgewählt werden können. Bei der Auswahl des passenden Rechtsanwalts hilft das Profilbild und eine Profilbeschreibung des Anwalts sowie Bewertungen von vorherigen Mandaten. Besonders transparent wird die Anwaltsbeauftragung durch vorher festgelegte Kosten. Zudem entsteht für die Mandanten keine Vermittlungsgebühr, es muss lediglich das Honorar des Rechtsanwalts gezahlt werden.

Ihr seid einer der ersten Anwalts-Plattformen in Deutschland. Wie war die Reaktion der Anwaltskollegen auf euer Angebot? Beobachtet ihr einen Trend, dass immer mehr (junge) Anwälte diesen Weg der Mandantanaquise bzw. Mandantenverwaltung (bei euch) beschreiten?

Zugegebenermaßen war die erste Reaktion einiger Rechtsanwälte eher skeptisch. Hier haben wir reagiert und die Vorteile von Jurato für Anwälte detaillierter herausgearbeitet (https://www.jurato.de/anwalt). Zusätzlich schafft es bei den Anwaltskollegen Vertrauen, dass Sie Jurato 30 Tage unverbindlich testen und sich selbst von den Vorteilen überzeugen können.


Insbesondere junge Rechtsanwälte nutzen das Internet und soziale Medien (speziell Twitter), um neue Mandanten zu akquirieren bzw. auf sich aufmerksam zu machen. Sie wissen um die Vorteile, wie sie online ihren Arbeitsalltag organisieren und überregionale Mandanten erreichen können. Da liegt es ihnen nicht fern, unseren Dienst Jurato zu nutzen. Denn hier finden Anwälte beides: Potenzielle Mandanten und bestmögliche Organisation über die sogenannte Online-Akte. Bezugnehmend auf die Ausgangsfrage heißt dies also, dass vermehrt jüngere Anwälte Jurato nutzen, wir aber ebenso Rechtsanwälte als Kunden zu schätzen wissen, bei denen die Anwaltszulassung schon einige Jahrzehnte zurück liegt.

Ihr habt jüngst "Jurato Pro" aus der Taufe gehoben. Kannst du in eigenen Worten schildern, warum es hierbei genau geht und für wen der neue Service gedacht ist?

Unser neuer Service Jurato Pro (https://pro.jurato.de/) spricht gezielt Gründer, Start-ups sowie kleine und mittelständische Unternehmen an. Diese Unternehmen haben in den seltensten Fällen nur eine bestimmte Rechtsfrage. Vielmehr benötigen Sie einen Rechtsanwalt, der sie dauerhaft und kompetent zu allen Rechtsgebieten berät. Welcher Rechtsanwalt kennt sich aber in allen Rechtsgebieten gleichermaßen aus und passt in das Budget eines jungen Unternehmens? Wohl keiner. Genau für solche Fälle ist Jurato Pro gemacht. Wir bieten verschiedene Mitgliedschaften, die sich in Beratungsumfang und Laufzeit unterscheiden. Innerhalb des gebuchten Beratungskontingents haben die Unternehmen Ihren persönlichen Unternehmensanwalt jederzeit an ihrer Seite. Und das zu einem monatlichen Preis ab 74 Euro - in der Regel bei weitem günstiger als eine gewerbliche Rechtsschutzversicherung. Zeitnah soll es Unternehmen auch möglich sein, ihren persönlichen Rechtsanwalt sogar stündlich wechseln zu können.

 

Über die benutzerfreundliche Jurato Pro Plattform ist zudem eine reibungslose zeitgemäße Kommunikation über Text-, Voice- und Videochat möglich. Die Möglichkeit, sicher Dokumente hochzuladen und in dem integrierten Kalender Fristen und Termine zu vereinbaren, runden den Service ab. Auch an die Bezahlung wurde gedacht – ein integriertes Bezahlsystem erlaubt eine schnelle und sichere Abwicklung.

Welche Tipps würdest du anderen Gründern, die ein Legal Startup starten wollen, mit auf den Weg geben?

Speziell im Bereich Legal sollte man besonderen Fokus auf das Thema Vertraulichkeit setzen. Sowohl für Mandanten als auch für Rechtsanwälte ist es u.a. wichtig, Ihre Daten in sicheren Händen zu wissen.

Zudem sollten Gründer nicht vorzeitig aufgeben bzw. in schlechten Zeiten die Zähne zusammenbeißen können, um erfolgreich zu sein. Durststrecken gibt es bei jeder Unternehmung, die es zu überwinden gilt. Passend ist dazu der alte Bülow’sche Familienspruch „Nil desperandum“ (niemals verzweifeln). Auch sollten Gründer nicht voreilig an Investoren herantreten. Der Zeitpunkt, an dem die Plattform steht und man erste konkrete Zahlen vorlegen kann, ist oftmals sinnvoller.

Danke für das Gespräch!